Die KPI-Illusion: Verzettelt in Zahlen – verloren in Wirkung, aber wie geht es besser?

Was dich in dieser Folge erwartet

“Mit dem Rückspiegel fährst du kein Rennen.”

Genauso wenig helfen dir allein Nachlauf-Metriken, wenn es um Strategie und Marketing geht.

Frühindikatoren zeigen dir rechtzeitig, ob du auf Kurs bist – oder schon danebenliegst.

Darum geht’s in meiner neuen Podcastfolge: “Wirkung messen, nicht nur Zahlen”

  • Wie etablierst du Frühwarn-Indikatoren?
  • Wie verknüpfst du KPI mit der Markt-Dynamik?
  • Wie du Ziele, Feedback und KPIs neu denken kannst
  • Welche KPIs wirklich Entscheidungen erleichtern – und welche du sofort streichen kannst
 

Sehr gern, Gela.
Ich habe das Transkript sprachlich bereinigt, strukturiert und lesbar gemacht, ohne Inhalte zu glätten oder zu kürzen.
Alle Zeitangaben sind erhalten, du kannst den Text direkt kopieren.


Wir messen und messen und messen – und hinterfragen dabei viel zu selten, ob wir überhaupt noch das Richtige messen.
00:21

Meine steile These heute lautet: Effizienz ohne Kontext ist teurer Leerlauf.
00:25

Oh.
00:36

Oh, ich bin Gela. Willkommen in meinem Podcast.
00:38

Ich bin Organisationsentwicklerin und Marketing-Expertin.
00:41

Ich bin systemtheoretisch inspiriert und unterstütze Organisationen dabei, Wirkung zu entfalten – mit Struktur, Fokus und einem echten Verständnis dafür, wie Veränderung wirklich funktioniert.
00:45

In diesem Podcast bekommst du keine Methodenparade, sondern Impulse, die dir helfen, mit deiner Organisation wirksam zu werden.
00:57

Jenseits von Buzzwords, aber nah dran am echten Leben in Marketing und Vertrieb. Ich bringe inzwischen fast 25 Jahre Berufserfahrung mit.
01:06

Mehr über mich erfährst du auf meiner Website creativityhacks.de oder unter angelikaballosch.de.
01:15

Hallo zusammen und herzliche Grüße aus dem Sommerloch.
01:23

Es ist mal wieder Zeit für eine neue Podcast-Folge, und heute geht es um das Thema Effizienz und KPIs.
01:26

Der Auslöser ist ein LinkedIn-Beitrag von mir, der ein bisschen – ich will nicht sagen viral gegangen ist – aber doch sehr viel diskutiert, geteilt und kommentiert wurde.
01:34

Das habe ich zum Anlass genommen, weil dieses Thema viele umtreibt, heute eine eigene Podcast-Folge dazu aufzunehmen.
01:47

Dazu möchte ich euch zunächst ein Bild beschreiben.
01:57

Stellt euch eine röhrenartige Plastikverpackung für Tennisbälle vor. Auf der linken Seite seht ihr eine solche Verpackung, etwa 15 bis 20 Zentimeter hoch, in der drei ganz normale Tennisbälle übereinander liegen.
02:06

Auf der rechten Seite sieht man dieselbe Verpackung. Was ist passiert? Die Tennisbälle wurden durchgeschnitten und so ineinandergelegt, dass der Hohlraum verschwindet.
02:30

Plötzlich ist es ein Leichtes, fünf Bälle mühelos in dieselbe Verpackung zu stapeln.
02:38

Dieses Bild hat einige Gemüter erregt. Denn aus einer reinen Effizienzperspektive könnte man sagen: Jetzt passen fünf Bälle in die gleiche Verpackung – das ist doch effizient, das macht Sinn.
02:46

Wenn man jedoch genauer hinschaut, wird klar: Mit halben Tennisbällen gewinnt man kein Match.
03:06

Und genau das passiert sehr häufig bei Messsystemen in Unternehmen – und besonders im Marketing.
03:16

Wir messen und messen und messen, hinterfragen aber zu selten, ob wir noch das Richtige messen.
03:22

Die Tennisball-Darstellung ist sehr plakativ, aber viele KPIs sind weniger offensichtlich. Man muss oft erst hinter die Fassade schauen, um zu erkennen, welche Nebenwirkungen sie erzeugen.
03:35

Meine steile These lautet deshalb: Effizienz ohne Kontext ist teurer Leerlauf. Schlimmer noch – sie liefert Orientierung, die Organisationen regelrecht ausbremsen kann.
03:47

Dieses Phänomen hat der Ökonom Charles Goodhart beschrieben.
03:51

Es gibt das sogenannte Goodhart’sche Gesetz. Es beschreibt, dass komplexe Systeme nicht sinnvoll über einzelne einfache Kennzahlen gesteuert werden können.
03:55

Oder anders gesagt: „When a measure becomes a target, it ceases to be a good measure.“
04:05

Sobald eine Kennzahl zum Ziel wird, beginnen Menschen, diese Kennzahl zu optimieren – oft auf Kosten der eigentlichen Leistung oder des gewünschten Ergebnisses.
04:15

Das führt zu Zielkonflikten. Verfolge ich mein Bonusziel – oder handle ich im Sinne dessen, was für das Unternehmen wirklich sinnvoll wäre?
04:36

Klassische Performance- und Feedbacksysteme verstärken diese Schieflage. Jahresend-Reviews, Star-Ratings oder mechanische Soll-Ist-Vergleiche produzieren Formalität statt Lernen.
04:49

Viele Unternehmen sind deshalb auf kontinuierliches, kontextbezogenes Feedback umgestiegen – und das funktioniert deutlich besser als Feedback einmal im Quartal oder einmal im Jahr.
05:04

Gerade im Marketing sehen wir die Folgen klassischer KPIs, die ausschließlich auf Reichweite, Sichtbarkeit oder Tausenderkontaktpreise abzielen.
05:18

Was dabei oft verloren geht, ist die Messung von Relevanz, Resonanz und tatsächlicher Wirkung in der Kernzielgruppe.
05:30

Es macht deutlich mehr Sinn, Frühwarnsysteme zu etablieren statt nur Spätdiagnosen zu betreiben.
05:39

Viele Unternehmen fahren ihre Strategie-Reviews wie eine TÜV-Prüfung ein- oder zweimal im Jahr – mit Fokus auf Finanzkennzahlen.
05:45

Das Problem: Finanzkennzahlen sind Nachlaufindikatoren. Sie zeigen erst dann ein Problem, wenn es oft schon zu spät ist, gegenzusteuern.
05:59

Deshalb lohnt es sich, die Perspektive zu drehen.
06:05

Das empfiehlt auch der Strategieberater Roger Martin. Er sagt: Frage dich, „What would have to be true“, damit deine Strategie funktioniert.
06:09

Leite daraus nichtfinanzielle KPIs ab – also Frühindikatoren, die dir frühzeitig zeigen, ob sich Markt, Kunden oder Organisation in die gewünschte Richtung bewegen.
06:25

Diese gilt es laufend zu prüfen – nicht nur im Jahres- oder Halbjahresrhythmus.
06:41

Beispiele für solche Frühindikatoren sind etwa der Anteil der Neukunden, die durch Empfehlungen kommen. Das ist ein starkes Signal für Relevanz und Zufriedenheit.
06:47

Oder die durchschnittliche Zeit vom Erstkontakt bis zur qualifizierten Lead-Conversion – ein Indikator dafür, ob die Journey funktioniert.
06:58

Auch die Anzahl der Kunden, die in den letzten 90 Tagen mit deiner Marke interagiert haben, ist ein wichtiger Frühindikator.
07:09

Diese Kennzahlen messen nicht nur, sie warnen.
07:13

So verschiebst du den Fokus von Output auf Wirkung, ohne deine Organisation zu überfordern.
07:18

Kommen wir zur Umsetzung: Wie gelingt der Wechsel von nackten Zahlen hin zu echter Wirkung?
07:29

Definiere zuerst den Kontext, dann die Zahl. Frage bei jeder Kennzahl: Welches Kundenproblem soll sie abbilden? Welche Marktdynamik steckt dahinter? Und welche Entscheidung treffen wir anders, wenn sich dieser Wert verändert?
07:32

Wenn sich aus einer Zahl keine Handlung ableiten lässt, ist sie vermutlich überflüssig.
08:08

Wirkung ist wichtiger als Reichweite. Klicks, Reichweite oder Tausenderkontaktpreise sind nett – aber entscheidend ist, ob die Zielgruppe reagiert, versteht und handelt.
08:11

Hat sie verstanden, was wir sagen wollen? Weiß sie, was sie tun soll? Hat sie gekauft oder Kontakt aufgenommen?
08:17

Ergänze Reichweiten-KPIs durch Resonanz- und Wirkungsmetriken, etwa Markenassoziationen, Share of Voice, qualifizierte Rückmeldungen oder Sales-Uplift.
08:33

Behalte dabei sowohl den kurzfristigen als auch den langfristigen Blick. Frühindikatoren und harte Ergebnisse müssen gemeinsam betrachtet werden.
08:55

Feedback sollte als echter Dialog gestaltet sein. Warte nicht auf das große Jahresgespräch, sondern etabliere regelmäßige, kurze Check-ins.
09:03

Was wollten wir erreichen? Was ist beim Kunden passiert? Und was ändern wir nächste Woche?
09:12

So entstehen echte Lernreisen.
09:23

Ich persönlich arbeite gern mit regelmäßigen Retrospektiven, weil Kennzahlen immer zusammenhängen. Die Customer Journey ist ein Gefüge, kein isolierter Prozess.
09:38

Auch Kreativität lässt sich messen. Teste nicht nur Reichweite, sondern auch Verständlichkeit, Wiedererkennbarkeit und Differenzierung deiner Botschaft.
09:48

Wir neigen dazu, an der Media-Stellschraube zu drehen, statt an der Kreation – weil Letzteres vermeintlich aufwendiger ist.
09:58

Dabei zeigt gute Kreation nachweislich direkte Effekte auf den Abverkauf. Studien von Nielsen belegen das.
10:09

Marke und Abverkauf müssen ausbalanciert werden. Marke ist ein Marathon, Abverkauf meist ein Sprint – beides braucht das richtige Verhältnis.
10:22

Denke Budgets nicht in Entweder-oder, sondern in einer stabilen Markenbasis plus gezielten Abverkaufsmaßnahmen.
10:33

Und mein letzter Punkt: Schmeiß den Ballast raus.
10:44

Jede Kennzahl, die dir keine Entscheidung erleichtert, ist wertlos. Behalte nur Zahlen, die dir helfen, konkret besser zu werden – inklusive klarer Handlungsoptionen.
10:47

KI ist dabei kein Selbstzweck.
11:05

Das war jetzt viel Input und ein bisschen nerdig, das gebe ich zu. Ich hoffe aber, du konntest ein paar Impulse für dich mitnehmen.
11:09

Teile gern dein Feedback in den Kommentaren – das würde mich sehr interessieren.
11:15

Ich verbleibe mit sonnigen Grüßen, wir hören uns bald wieder, und vielleicht sehen wir uns auch auf LinkedIn.
11:26


 

Über mich.

Ich begleite eure 𝐌𝐚𝐫𝐤𝐞𝐭𝐢𝐧𝐠- 𝐮𝐧𝐝 𝐕𝐞𝐫𝐭𝐫𝐢𝐞𝐛𝐬𝐨𝐫𝐠𝐚𝐧𝐢𝐬𝐚𝐭𝐢𝐨𝐧 zu mehr 𝐓𝐫𝐚𝐧𝐬𝐩𝐚𝐫𝐞𝐧𝐳, 𝐊𝐥𝐚𝐫𝐡𝐞𝐢𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐭𝐫𝐮𝐤𝐭𝐮𝐫 –
change system, not people.
Ich habe mehr als 25 Jahre Berufserfahrung und bin zertifiziert in Business Coaching und Organisationsdesign.

In 100 Tagen ist viel möglich! 

Was andere über mich sagen

Axel Neuhaus Leistungsfähige Organisationen entstehen durch Verantwortungsarchitektur. In 100 Tagen ist sehr viel möglich.

"Als Leiter Digitales Marketing habe ich Angelika als einen wunderbaren Menschen, tragende Säule des Beratungs-Teams und auch persönlichen wichtigen Sparringspartner kennen und schätzen gelernt!"

Axel Neuhaus
Leiter Digitales Marketing, Volkswagen
lena Leistungsfähige Organisationen entstehen durch Verantwortungsarchitektur. In 100 Tagen ist sehr viel möglich.

"Ich kenne und schätze die Zusammenarbeit mit Gela sehr. Wir arbeiten seit 2019 immer wieder erfolgreich in Projekten zusammen. Ihre Proaktivität, Schaffenskraft und ihr Ideenreichtum zeichnen sie extrem aus. Sie zeigt neue Wege auf und bringt mit ihrem wertvollen externen Blick Schwung in die Organisation. Gerne empfehle ich die Zusammenarbeit mit ihr und stehe auch für direkten Austausch/Feedback zur Verfügung. Ganz viel Erfolg weiterhin, auf bald und alles Liebe, Lena"

Lena Jakob
Regionale Marketing Direktorin, SAP Concur
Empfehlung Angelika Ballosch, Marketingberatung

"Seit 2019 unterstützt uns Gela immer wieder erfolgreich in verschiedenen Abteilungen und Projekten - zuletzt als Projektleitung im Rahmen unseres Markenlaunchs auf der Zukunft Personal Europe 2022. Gela arbeitet sich sehr schnell und eigenständig in komplexe Projekt- und Teamstrukturen ein, hinterfragt kritisch (und bringt so frischen Wind von Extern) und behält stets den Überblick über Ziele, Budget und Termine. Mit Gelas Erfahrung und wertvoller Unterstützung können wir unsere Projekte schnellstmöglich auf die Straße und erfolgreich zum Abschluss bringen. Darüber hinaus prägen ihre stets positive und fröhliche Art unsere Zusammenarbeit und den Zusammenhalt im Team! Wir freuen uns schon jetzt auf viele weitere, zukünftige Projekte mit Gela und können die Zusammenarbeit wärmstens empfehlen!"

Marie-Catharine Bescht
Senior Marketing Managerin, Onlyfy (New Work SE)
eva Leistungsfähige Organisationen entstehen durch Verantwortungsarchitektur. In 100 Tagen ist sehr viel möglich.

"Frau Ballosch ist mit Hingabe und einem Höchstmaß an Qualität an einem erfolgreichen Coaching interessiert. Die Themen werden mal analytisch, mal spielerisch angegangen, sodass Methodiken vertieft und praktisch erlernt werden können. Ihr Potenzial flexibel auf die Person einzugehen macht sie zu einem sehr kompetenten Partner in Sachen Leadership. Ich würde sie jederzeit weiterempfehlen. Mit gestärktem Selbstbewusstsein, einer Vielzahl an Methoden und neuen, frischen Ideen für mein Team freue ich mich auf meine Tätigkeit als Führungskraft."

Eva Robert
Account Director TRACK GmbH
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"Frau Ballosch hat den Blickwinkel für Fragestellungen erweitert und Lösungsansätze gefunden, die ohne ihre professionelle Unterstützung so nicht zustande kämen.Wertvolles Coaching mit Tiefgang! "

Urte Hildbrand
Strategic Sales Manager, New Work SE

Autor

Angelika Ballosch ist Marketingexpertin und Organisationsentwicklerin mit 25 Jahren Berufserfahrung.